Vom Steinbruch zur Artenvielfalt: Ein israelisch-italienischer Dialog im Herzen der Valpolicella
Am 18. Oktober 2026 hatte ich das Vergnügen, eine Gruppe von Landschaftsarchitekten aus Israel willkommen zu heißen und ihnen einen besonderen Ort in unserem Tal zu zeigen: den Parco Valpolicella Biodiversity.
Es gibt Orte, die uns erzählen, wie sich eine Landschaft verwandeln kann. Hier in der Valpolicella, zwischen Weinbergen, Olivenhainen und bewaldeten Hügeln, begann eine solche Geschichte auf einem Gelände, das über Jahrzehnte vom Steinabbau geprägt worden war.
An einem schönen Oktobertag kamen zwölf Landschaftsarchitekten von Berabim Landscape Architecture, einem israelischen Büro mit Sitz in Binyamina, um diese Geschichte gemeinsam mit mir zu entdecken. Ihr Besuch war Teil einer beruflichen Studienreise nach Italien, auf der sie Anregungen für die Renaturierung eines Abbaugebiets suchten.
Es war eine besondere Gelegenheit, ein Beispiel aus unserer Region vorzustellen und gemeinsam über eine Frage nachzudenken, die uns alle betrifft: Wie können wir einer Landschaft neues Leben schenken, wenn ihre industrielle Nutzung endet?
Eine Landschaft mit einem zweiten Leben
Der Parco Valpolicella erstreckt sich über etwa 50 Hektar zwischen Fumane und Marano di Valpolicella, im Herzen der Valpolicella Classica.
Über viele Jahre wurden hier Kalkstein und Mergel für das Zementwerk Cementirossi in Fumane abgebaut. Nach dem Ende des Abbaus wurde das Gelände Teil eines ehrgeizigen Projekts zur ökologischen Wiederherstellung. Cementirossi stellte die Flächen zur Verfügung; die Renaturierung wurde von CoGe.V. geplant, einer auf die Pflege von Grünflächen spezialisierten Genossenschaft. (Geschichte des Parks; Il Parco Valpolicella)
Ab den 2000er-Jahren entstanden über einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren Schritt für Schritt die Voraussetzungen für eine neue natürliche Umgebung. Etwa 50.000 Pflanzen aus 60 Arten wurden gesetzt. Zugleich entstanden unterschiedliche Lebensräume: Wälder, Teiche, Trockenrasen und Feuchtwiesen. (Geschichte des Parks)
Wer heute durch den Park spaziert, erkennt sowohl das Ausmaß dieser Verwandlung als auch die Geduld, die dahintersteht. Die Landschaft ist zu einem Mosaik verschiedener Lebensräume geworden, von denen jeder andere Möglichkeiten für das Leben bietet.
Gestaltung für die Artenvielfalt
Während wir den Park erkundeten, sprachen wir über die Entscheidungen, die eine ökologische Wiederherstellung ermöglichen: die Gestaltung des Geländes, den Umgang mit Wasser, die Auswahl der Pflanzen und das Zusammenspiel der verschiedenen Lebensräume.
Das Nebeneinander trockener und feuchter Bereiche ist besonders wertvoll. Teiche und ihre Ufervegetation bieten Amphibien und anderen Tieren wichtige Lebensräume, während offene Wiesen, Sträucher und Wälder unterschiedliche Pflanzen- und Tiergemeinschaften beherbergen.
Nach Angaben des Parkvereins leben hier 55 Vogelarten, sieben Amphibienarten, sieben Reptilienarten und elf Säugetierarten sowie zahlreiche wirbellose Tiere. (Flora und Fauna des Parks)
Die Wege laden Besucherinnen und Besucher ein, diese Vielfalt zu entdecken und zu lernen, die Landschaft aufmerksam zu betrachten. Auch das Projekt Biodiversity Bridges hat zur Entstehung eines Themenwegs zur Artenvielfalt beigetragen, der Umweltbildung mit dem Erleben der Natur verbindet. (Biodiversitätsroute)
Für mich ist dies eine der wichtigsten Botschaften des Parks: Natur zu schützen bedeutet auch, den Menschen zu helfen, sie kennenzulernen, wertzuschätzen und sich für ihre Zukunft verantwortlich zu fühlen.
Eine gemeinsame Vision in unterschiedlichen Landschaften
Die Begegnung mit Berabim war besonders bereichernd, weil das Büro bereits an mehreren Projekten zur Wiederherstellung ehemaliger Steinbrüche in Israel gearbeitet hat.
Im Steinbruch Shkhoret nahe Eilat umfasste der landschaftsarchitektonische Entwurf von Berabim zwei Rückhaltebecken zur Regulierung von Hochwasser sowie Aussichtspunkte, von denen aus Besucher die umliegende Wüstenlandschaft erleben können. (Projekt Shkhoret Quarry)
In Majd al-Krum verwandelte das Büro einen ehemaligen Steinbruch in The Vineyard Garden, einen öffentlichen Park für die lokale Gemeinschaft und für Menschen, die die Gegend zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Der Stein und der geologische Charakter des Ortes wurden zu zentralen Elementen der Gestaltung. (Projekt The Vineyard Garden)
Ein weiteres Projekt in der Nähe von Revivim und Bir Hadaj verbindet die Renaturierung eines Steinbruchs und eines Bachlaufs mit Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse und das tägliche Leben der örtlichen Beduinengemeinschaft. (Projekt Revivim und Bir Hadaj)
Diese Projekte zeigen, wie Renaturierung Ökologie, Wasser, die geologische Geschichte eines Ortes und die Menschen, die in seiner Nähe leben, miteinander verbinden kann. Das Klima und die Landschaften Israels und der Valpolicella sind sehr unterschiedlich, doch unser Austausch machte deutlich, dass uns über Grenzen hinweg ähnliche Fragen beschäftigen.
Wein, Landschaft und Verantwortung
Auf der Tenuta Santa Maria Valverde ist unsere Arbeit als Winzer eng mit der Landschaft verbunden, die uns umgibt. Die Weinberge sind Teil einer größeren, lebendigen Umwelt – gemeinsam mit Wäldern, Olivenbäumen, Trockensteinmauern, Wildtieren und Wasser.
Der Park erinnert uns daran, dass die Pflege dieser Umwelt eine langfristige Vision erfordert. Sie braucht Wissen, Zusammenarbeit und Zeit – doch sie kann ein wertvolles Erbe für kommende Generationen schaffen.
Ein Glas Valpolicella zum Abschluss des Besuchs war eine schöne Art, diese Verbindung zu feiern: ein Moment, in dem Natur, berufliche Neugier und die Kultur unserer Region zusammenkamen.
Mein Dank gilt Yael und dem gesamten Team von Berabim für ihr Interesse, ihre aufmerksamen Fragen und die Gelegenheit, unsere Landschaft durch ihre Augen zu sehen. Ich hoffe, dass dieser Besuch der Beginn eines dauerhaften Ideenaustauschs sein wird – und dass wir vielleicht eines Tages die Freude haben werden, ihre renaturierte Landschaft in Israel zu entdecken.
Ilaria
Tenuta Santa Maria Valverde



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